Allmächdd!!!

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Allmächdd naa, heut ist fei der Tag der Muttersprache. Es gibt ja für jeden Mist einen Tag. Den Tag der Minzschokolade oder den Welttoilettentag. Der Tag der Muttersprache kommt aber genau richtig, um meiner fränkischen Heimat – und insbesondere seinen Einwohnern, den Franken, einer höchst interessanten, teilweise etwas eigenen aber immer höchst liebenswerten Spezies – mal einen Blogeintrag zu widmen.

Wer sagt, der fränkische Dialekt wäre unattraktiv, der lügt. Des fränggische Gwaaf hat es schließlich sogar schon einmal auf die Startseite der Deutschen Bahn geschafft. 2013 durfte man bei den DB-Mundartwochen abstimmen, in welchem Dialekt die Startseite erscheinen soll: fei auf frängisch, gell? Unter dem Motto: „Schaans na her, dei sprechn fränggisch“ konnte man auf den Seiten der Bahn surfen. Mein Favorit: Rumbumbln in Deitschland, was – für alle Nicht-Franken – soviel heißt wie rumfahren.

Aber egal, kommen wir zum Franken. Der zeichnet sich ja bekanntlich durch seine Gelassenheit und Nüchternheit aus. Oder haben Sie schonmal einen Franken gesehen, der zu Gefühlsausbrüchen neigt? Das passiert höchstens mal, wenn der Franke Fußball schaut, bei den Färrdern oder beim Glubb, aber das ist ein anderes Kapitel. Im Alltag ist das höchste Lob des Franken ein nüchternes „Bassd scho!“ Wenn diese zwei Wörtern über die Lippen eines waschechten Franken gehen, hat man etwas verdammt richtig gemacht. Eine ähnliche Nüchternheit habe ich neulich in einer Gaststätte irgendwo in Oberfranken gemacht. Nachdem ich nach dem Essen bekundet habe, wie gut ich es fand und mich verabschieden wollte, kam vom Wirt, dem Adam ein schlichtes: Habts euch benommen. Därfts wiederkommen! entgegen. Der Franke ist halt bodenständig, ihn wirft so schnell nix aus der Bahn. Deswegen kann man von zwei fränkischen Lebensweisheiten, die ich mal gesagt bekommen habe, nur was lernen. Die eine lautet: Jeder is so bläid wie er moch (eine adäquate Übersetzung gibt es nicht, aber das heißt ungefähr so viel wie: Jeder ist so blöd wie er sein will). Die andere geht so: Des mou der woschd sein in dem Momend! (Das muss dir egal sein). Das Unglaubliche ist: In jeder Lebenslage passt mindestens eine dieser Weisheiten.

Keine Ausnahme ohne Regel. Wenn ich gesagt habe, dass der Franke gelassen ist, dann gilt das immer, außer in zwei Fällen. Zum einen kann man den Franken auf die Palme bringen, wenn man ihn als Bayer bezeichnet. Denn außer der Zugehörigkeit zum gleichen Bundesland teilt sich der Franke mit dem Bayer rein gar nichts. Eigentlich braucht er die Bayern (das sind für den Franken alle, die keine Franken sind) gar nicht. Er hat ja zuhause alles, was er zum Leben braucht. Schäufele, Brodwörschd, Bier, Wein. Das zweite ist für den fußballverrückten Franken der Glubb (1.FCN). Wenn der Franke sich ins Stadion oder vor den Fernseher begibt, dann kommt noch eine weitere Eigenschaft zum Vorschein: die enorme Leidensfähigkeit. Die „Zeit“ hat mal ausgerechnet, dass ein Tor beim Glubb umgerechnet 35 Euro kostet, also wenn man den Ticketpreis in Relation zu den Toren bei den Heimspielen setzt. Nirgendwo zahlt man mehr Geld. Das hat sich der wahre Glubberer wahrscheinlich scho vor dieser Statistik gedacht, schließlich könnte er sich nur aufregen. Dem Verein bleibt er aber in jeder Lage treu, was im liebevollen Spruch zum Ausdruck kommt „der Glubb is a Depp“.

Wenn der Franke sich dann mal richtig aufregt, wirds lustig. Ob das nun die „bläide Sulln“ ist oder die „bläide Bumbl“ oder schlicht der Doldi – in welchem Dialekt kann man schon schöner schimpfen?

Best Blog Award: 1 Stöckchen, 11 Fragen

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BildPapiergefluester warf mir ein Stöckchen zu. Was das bedeutet, das war mir als Blogger-Neuling zuerst nicht klar. Aber die ganze Sache ist echt ganz witzig, finde ich. Ich beantworte zehn Fragen von Papiergefluester und denk mir dann neue aus, die ich anderen Bloggern schicke. Na dann mal los…

1. Warum bloggst Du?

Weil es viele spannende Themen rund um Medien, Journalismus und Sprache gibt. Meine – zugegebenermaßen teilweise verwirrenden Gedanken – möchte ich auf diesem Weg loswerden.

 

2. Eine Woche ganz ohne Computer und Smartphone. Traum oder Albtraum?

Zuerst Albtraum, nach ein paar Tagen und wenn man sich dran gewöhnt hat, sicher ganz cool!

 

3. Zum Frühstück liebe Marmelade oder Wurst?

Beides! Aber auf getrennten Broten bitte!

 

4. Was möchtest Du in Deinem Leben unbedingt noch erleben?

Dafür reicht der Platz nicht aus😉

 

5. Welches Buch hat Dich zuletzt wirklich beeindruckt?

Paulo Coelho: Der Sieger bleibt allein

 

6. Wenn Du eine Sache an Dir ändern könntest, was wäre das?

Meine Ungeduld😉

 

7. Facebook oder Twitter, wo fühlst Du Dich wohler?

Ich mag beides, aber wesentlich länger bin ich schon bei Facebook.

 

8. Wann hast Du zum letzten Mal mit einem Füller geschrieben?

Puh, das sind ganz schön schwierige Fragen, Papiergefluester! Also das muss seeeehr lange her sein.

 

9. Welche Jahreszeit ist Dir die liebste?

Frühling!

 

10. Welchen guten Vorsatz nimmst Du Dir immer wieder vor und scheiterst doch daran?

Bei mir gibt es eigentlich keine klassischen Vorsätze.

 

11. Liest Du andere Blogs, wenn ja welche besonders gerne?

Ich bin ja noch relativ neu dabei, daher noch in der Erprobungsphase, aber die Blogs der Würzburger Blogger finde ich schonmal klasse. Also wirklich jetzt😉

 

Zehn Blogger, die noch nicht von diesem Stöckchen getroffen wurden und den Award verdient haben? Ich verleihe den “Best Blog Award” an:

Die Regeln:

Verfasst einen Blogbeitrag, in dem ihr meine Fragen beantwortet. Fügt das Bildchen vom Award ein und verlinkt auf mich. Am Ende denkt ihr euch 11 Fragen aus und werft das Stöckchen an 10 Blogger weiter. Deren Antworten verlinkt ihr bei euch.

Eure elf Fragen:

1.) Der perfekte Sonntag. Wie sieht er für euch aus?

2.) Cuba Libre oder Gin Tonic?

3.) Hip Hop oder Elektro?

4.) Ein Blog, den man kennen muss…

5.) Wenn man euch mit 3 Wörtern beschreiben müsste, dann wären das:

6.) Ein Land, in das ihr unbedingt noch reisen wollt

7.) Euer schlimmster Tick?

8.) Chaos oder Ordnung?

9.) Sommer oder Winter?

10.) Meine häufigste Ausrede lautet: …

11.) Was ich sonst noch an dieser Stelle sagen möchte…🙂

 

 

Sätze, die ein Journalist nicht sagt

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Inspiriert durch den genialen Blog auslisten.de hier meine persönliche Liste:

Heute: Sätze, die ein Journalist nicht sagt.

  • Am Telefon mit dem freien Mitarbeiter: „Natürlich nehmen wir Ihren dreiseitigen Bericht von der Jahreshauptversammlung des Gesangvereins mit. Ungekürzt und mit drei Bildern. Gerne.“
  •  Auf dem Termin: „Herr xy (Mensch mit wichtiger Funktion), stellen Sie sich doch bitte auch noch bei den anderen Bildern dazu. Bisher sind Sie erst auf fünf Bildern drauf.“
  •  Bei einer Veranstaltung: „Oh es gibt noch ein Fingerfood-Buffet? Schade, das werde ich wohl nicht schaffen. Ich habe noch einen anderen dringenden Termin.“
  •  Gespräch mit Kollegen: „Wann das nächste Gehalt kommt?“ – „Keine Ahnung“
  •  „Was? Kaffee ist alle? Kein Problem. Dann trinke ich die nächsten Tage eben Kamillentee.“
  •  „Der Termin ist um 8 Uhr früh? Das passt mir gut. Ich bin eh spätestens um 6 Uhr wach.“
  •  Zum Kollegen: „Haste mitgekriegt? Die Polizei teilt mit, dass sich in xy ein Verkehrsunfall ereignet hat. Die Fahrerin eines Pkw Opel hat die Signalanlage übersehen und ist mit einem anderen Pkw zusammengestoßen. Anschließend musste sie ihre Atemkapazität an einem Alkoholtestgerät überprüfen.“
  •  „Eine Umfrage zum Thema Wetter – wie originell!“
  •  „Was? Der Kollege xy ist neulich schreiend durchs Haus gerannt? Hab ich nicht mitgekriegt!“
  •  Klar, nennen Sie mich ruhig „Frau von der Zeitung“

Happy Birthday, Facebook!

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Liebes Facebook,

 

im Februar wirst du 10 Jahre alt. Dazu gratuliere ich dir. Wir kennen uns ja nun schon eine ganze Weile. Kennengelernt haben wir uns, als ich StudiVZ so langsam den Rücken gekehrt habe, am 21. Februar 2009. Das behauptest du zumindest. Ich kann mich ehrlich gesagt nicht mehr so genau daran erinnern. Auf jeden Fall bin ich damals wohl zum Skifahren gefahren. Denn mein erster Post lautete am 27. Februar 2009 „Ist aus der Schweiz zurück.“ Seitdem teile ich dir regelmäßig mit, was ich mache, was ich gut und schlecht finde und Dinge, die ich generell für mitteilenswert halte.

Mittlerweile hast du 1110000000 Menschen für dich gewinnen können. Auch fast alle meine Freunde benutzen Facebook, was natürlich meinen Alltag schon ein bisschen leichter macht. Wenn ich mit Freunden das Wochenende planen möchte, schreibe ich einfach schnell eine Gruppennachricht und lade alle dazu ein, mitzudiskutieren. Da die meisten Facebook eh auf ihrem Handy haben und man – manchmal vielleicht auch unbewusst – unzählige Male am Tag auf das Handy schaut, sieht sofort jeder meine Nachricht. Das ist gut. Und gleichzeitig auch schlecht. Denn öffne ich eine Nachricht, wird das dem Absender mitgeteilt. Ich stehe unter Druck, irgendwie. Möchte den andern nicht zu lange warten lassen. Dabei habe ich doch gerade nur mal schnell meine Nachrichten gecheckt in der Schlange an der Supermarktkasse. Ich antworte, wenn ich zuhause bin. Da hab ich dann auch mehr Zeit – und seh mir gleich auch noch bei den Neuigkeiten an, was meine Freunde – im Schnitt hat bei Facebook jeder 130 (http://t3n.de/news/facebook-10-jahre-alt-hat-523109/10-jahre-facebook-infografik/) – so treiben. Die posten natürlich auch fleißig. Ich freue mich, auf dem Laufenden gehalten zu werden. Zu sehen gibt es wahnsinnig gute Urlaubsbilder, ich erfahre, was andere im Job geschafft haben, in welche Länder ihre Dienstreisen gehen, wer geheiratet hat, wer ein tolles neues Auto hat und und und. Klar will sich jeder möglichst gut darstellen. Die Kehrseite: man fängt an, sich zu vergleichen. Findet vielleicht, dass man im Schnitt den Kürzeren gezogen hat. Dabei vergisst man halt oft, dass du, liebes Facebook, nicht unbedingt die Realität abbildest. Und außerdem: Wollen wir immer wissen, was andere tun?

Aber wollen wir mal nicht zu viel Kritik üben, das tun ja schon andere. Dein Abgesang von US-Wissenschaftlern der Princeton Universität ist echt bös. Die Studie „Ein epidemiologisches Modell von Dynamiken in sozialen Netzwerken“ behauptet, dass du vor dem Untergang stehst. Sie sagen, du ähnelst in deiner Verbreitung einer Seuche – ist der Höhepunkt überschritten, wird sie meist schnell ausgerottet. Das wünsche ich dir nicht. Du bist schon ganz ok, solange du mit meinen Daten nichts anstellst.

 

Lass dich feiern. Aber nicht zu sehr!

Über den Erfolg von Julia Engelmann im Netz und Songtexte

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http://www.youtube.com/watch?v=DoxqZWvt7g8

Ja, ich gehöre auch zu denen, die auf Facebook sofort auf „gefällt mir“ geklickt haben, als sie das Video von Julia Engelmann angesehen haben. Es zeigt einen Poetry-Slam-Beitrag, in dem die Studentin das Lied „One Day/Reckoning“ des Sängers Asaf Avidan ins Deutsche übersetzt und mit ihrem sehr emotionalen Beitrag die junge Generation dazu auffordert, mehr Mut zu wagen, etwas aus dem Leben zu machen, Träume zu leben. Innerhalb kürzester Zeit haben meine Facebook-Freunde dieses Video unzählige Male geteilt, im Netz ist nur noch die Rede von Julia Engelmann und ihrem Auftritt. Auch wenn ich das Video echt gut fand, so viele Reaktionen verwundern mich.

Woher kommt dieser große Erfolg? Sicher liegt es nicht nur daran, dass ein nettes Mädchen von nebenan alleine auf einer großen Bühne steht und mit ihrer schüchtern-charmanten Art Lebensweisheiten zum Besten gibt. Das Thema „Mut wagen“, „seine Träume leben“ trifft irgendwie den Nerv unserer Generation. Aufgefallen ist mir das auch bei dem Song „2 Finger an den Kopf“ des Rappers Marteria, der natürlich ganz anders daherkommt, im Grunde aber meiner Meinung nach Ähnliches aussagt. In seinem Song geht es um das bequeme Leben, um die Spießer, die wir anscheinend geworden sind. Wir sind brave Bürger, die Salat essen, Golf spielen und nicht mehr nach „Malle, sondern nach Schweden“ in den Urlaub fahren. „Randale und Krawall, die Zeiten sind längst vorbei“, heißt es in dem Song.

Bei Julia Engelmann heißt es etwa: Lass uns doch Geschichten schreiben, die wir später gern erzählen“ oder „Mut ist auch nur ein Anagramm von Glück“. Recht hat sie damit ja schon. Wir sind bequem geworden, gehen nicht auf die Straße, wenn uns was nicht passt, denken an die Altersvorsorge. Wir verdammten Spießer, wir. Reden nur, anstatt zu handeln. Finden Dinge schlecht, sprechen sie aber nicht aus. Wollen eine Weltreise machen, legen aber lieber das Geld zurück, denn wer weiß, was kommt. Natürlich muss man sagen, dass wir in einer Zeit leben, in der viele junge Leute nach der Uni keinen Job finden, die, die einen haben, müssen oft darum bangen. Wir müssen oft umziehen, brauchen dafür Geld. Und überhaupt, wer weiß, ob wir später überhaupt noch eine Rente bekommen?

Trotzdem finde ich das Video sehr gut. Weil man darüber einfach mal nachdenkt.

Dinge mit Namen von Menschen

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Ich kann euch nicht sagen, warum ich gerade jetzt darauf komme, auf jeden Fall ist mir gerade beim Nachhauseweg – ich hatte gerade wie immer meine Handtasche „Fiona“ dabei (Nein, ich gebe meinen Taschen keine Namen, so heißt das Modell) – aufgefallen, dass ziemlich viele Dinge menschliche Namen haben. Warum das so ist? Vielleicht kann man sich Dinge leichter merken, wenn sie einen Namen haben. Vielleicht entwickelt man dadurch auch einen besonderen emotionalen Bezug, was ich im Hinblick auf meine Handtasche durchaus bestätigen kann. Jeder weiß ja dann auch sofort, um was es sich handelt, was ja grundsätzlich eine gute Sache ist. Ein Beispiel sind Hoch- und Tiefdruckgebiete. Wenn man „Xaver“ sagt, weiß jeder sofort, dass damit der Superorkan gemeint ist, der vor einiger Zeit über Deutschland wütete (siehe mein letzter Beitrag).

Blöd ist das aber halt für den, der wirklich Xaver heißt. ich stell mir das ziemlich ätzend vor. Am Anfang ist das für so einen Xaver sicher noch ganz witzig, wenn auf einmal überall der eigene Name fällt. Xaver wütet, Xaver tobt kräftig, Xaver versetzt ganz Norddeutschland in Alarmbereitschaft… Aber irgendwann muss das einem doch tierisch auf die Nerven gehen. Und schön ist das ja auch nicht, wenn man mit einem Tiefdruckgebiet assoziiert wird.

Diese Geschichte mit den Namen für Hochs und Tiefs finde ich sehr interessant. Wie ich auf focus Online gelesen habe, vergibt das Meteorologische Institut der Freien Universität Berlin seit 1945 Namen für Druckgebiete. 1998 gab es dann eine Diskussion darüber, ob die Verwendung weiblicher Namen für Unwetter diskriminierend ist. Schließlich gab es einen Kompromiss. Nun wechseln weibliche und männliche Vornamen jedes Jahr: Tiefdruckgebiete in geraden Jahren – wie 2014 – haben Frauenamen, männliche Namen gibt es in ungeraden Jahren.

Ziemlich kurios: Man kann Hochs und Tiefs sogar kaufen – und damit den Namen bestimmen. Billig ist das aber nicht:  Ein Hoch soll 299 Euro kosten, ein Tief ist 100 Euro günstiger. Wer Interesse hat: http://www.met.fu-berlin.de/wetterpate/

Nun kann man sich aufregen oder ärgern, wenn ein Tiefdruckgebiet den gleichen Namen trägt wie man selbst, schlimmer kommen kann es aber immer. Man nehme nur einen Ikea-Katalog und blättere ihn aufmerksam durch.

Ich sitze gerade am Schreibtisch namens „Jonas“. Warum die Möbelhauskette dieses Modell so nennt – ich habe keine Ahnung. Als Jonas kann man sich damit sicher noch abfinden, auch wenn das Modell etwas grob wirkt. Vielleicht erinnern sich manche an den Armleuchter „Söder“, was für einen gewissen Politiker schon ein bisschen bitter ist, zumal dieser mit dem Leuchtmittel „Sparsam“ betrieben wird. Absolut kein Spaß aber muss es für alle Frauen namens „Maren“ sein. Bei Ikea gab es unter diesem Begriff eine zeitlang einen ziemlich billigen Toilettensitz…

Phänomen Gruppenfoto

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Es ist schon seltsam. Kaum ist ein Foto oder eine Kamera in der Nähe, spielen die Menschen verrückt. Während die einen schleunigst das Weite suchen, sich hinter dem nächstbesten Baum oder dem etwas breiteren Vordermann verstecken, weil sie sich heute irgendwie nicht schön fühlen oder Angst haben, vor laufender Kamera die letzten drei Bundeskanzler aufzählen zu müssen, wirken für andere Menschen solche Geräte gar wie Magneten. Sie lieben es, sich zu präsentieren, egal, wie und egal mit welchen Nebenwirkungen. In diesem Zusammenhang kursierte neulich dieses herrliche Video, liebevoll Xaver-Style genannt, (als Symbiose aus dem Sturmtief und dem absurden, aber irgendwie auch genialen Tanzsonstwas namens Gangnam-Style).

Der Lokaljournalist erlebt solche Mechanismen bei den Gruppenfotos, mit denen er in manchen Zeiten regelrecht überflutet wird. Ihr alle kennt sicher auch das Phänomen Gruppenfoto. Mit diesem Thema erstmals konfrontiert wurden wir ja schon zu Schulzeiten. Beim Klassenfoto war es immer wichtig, wo man sitzt, neben wem man sitzt, was man angezogen hat, wie man schaut/ lacht (in einem bestimmten Alter haben sich einige männliche Klassenkameraden immer besonders intensiv damit beschäftigt, möglich cool zu schauen, also auf keinen Fall zu lachen). Und natürlich mussten immer mindestens 50 Bilder gemacht werden, damit die Wahrscheinlichkeit möglichst gering ist, dass jemand gähnt, wegschaut oder einfach schnell mal aus dem Bild verschwunden ist, weil er aufs Klo musste.

Gruppenfotos, mit denen ich in meiner Arbeit konfrontiert werde, kommen regelmäßig von Vereinen aller Art. Kegelverein, Kleintierzüchter, Soldatenkameradschaft, Kirchenchor. Und auch da scheint das Phänomen Gruppenfoto seine Tücken zu haben. Unvergessen ist etwa ein Bild, auf dem die Protagonisten – wohl leider zufällig – im Wirtshaus direkt unter den Hirschgeweihen stehen, sodass eine unfreiwillige Komik entsteht.

Neulich haben mich Gruppenfotos erreicht, die die Geehrten verschiedener Jahrgänge eines Vereins zeigen sollen. Auffällig war, dass auf jedem Bild eine Person in der Reihe der Geehrten stand, die ich nicht zuordnen konnte. Also rief ich beim – ebenfalls etwas verdutzten – Fotografen an. Seine Antwort: „Wer das ist? Gute Frage. Der hat sich bei jedem Bild einfach dazugestellt.“